Der Ex-Pruegler

U-TURN

Es kommt mir so vor, als haette nur Ennio Morricone, der die Musik zum Film schrieb, erkannt, dass man sich darueber bestenfalls lustig machen kann. Seine aufdringliches Gequitsche gibt Oliver Stones Brechmittel punktuell genau der Laecherlichkeit preis, die es verdient. Ist Stone, der ehemalige Lehrer, Taxi Driver und Soldat, der sich im Vietnamkrieg Auszeichnungen verdiente, inzwischen eigentlich mehr als ein cleverer Trittbrettfahrer? Okay, er hat die Drehbuecher zu SCARFACE und YEAR OF THE DRAGON (mit)geschrieben, und mit THE DOORS und HEAVEN AND EARTH zwei Filme gedreht, die mich faszinierten und beruehrten. Doch die Liste der allzu amerikanischen Themen ist ebenso lang: PLATOON und BORN ON THE FOURTH OF JULY reichen in keiner Hinsicht an Werke wie APOCALYPSE NOW (Coppola) und THE DEER HUNTER (Cimino) heran, die Massstaebe setzten. Im Grunde war danach jeder weitere Versuch, das Thema Vietnamkrieg kritisch zu beleuchten, ueberfluessig. Als JFK herauskam, genuegten mir einige Ausschnitte, um zu erkennen, dass Stone laengst bekannte Thesen affektiert aufpeppte, die jedem, der auch Dokumentarfilme ueber Kennedy gesehen und ab und zu mal ein Buch in die Hand genommen hatte, nur ein muedes Gaehnen entlocken konnten. Kein Wunder, dass der zweitinteressanteste Praesident NIXON vier Jahre spaeter portraetiert werden musste. Ganz direkt und langatmig. Nicht so elegant und fesselnd wie ALL THE PRESIDENT'S MEN von Alan J. Pakula beispielsweise. Der war 1976. Wenn man juenger ist und all diese Filme nicht kennt, koennte man Stone fuer einen Meister halten. Tatsaechlich ist U-TURN aber nur eine misslungene Fortsetzung von NATURAL BORN KILLERS, der schon auf der Welle der Gewaltfilme in Tarantinoscher Nachfolge mitschwamm, doch dessen schwarzen Humor in regenbogenfarbener Videoclipart grell verfehlte. Inzwischen macht Tarantino ganz andere Filme (siehe JACKIE BROWN), und Stone hechelt seinen Vorbildern weiter hinterher. Das kostet so viel Kraft, dass seine Kamera immer mehr verwackelt.

Wenn Jeff Buckley etwas laenger gelebt haette, bevor er im Fluss ertrank, Stone haette sich irgendwann seiner angenommen. Clinton ist auch bald faellig, Blowjobs verkaufen sich gut. Und dann bitte noch was ueber das Nicaragua-Trauma (wir hatten ja schon SALVADOR) und, schwer im Kommen, den Irak und die boesen Muslime. Die Themenvielfalt ist unerschoepflich begrenzt, und immer wird es ein paar geben, die damit besser umgehen koennen als Stone. So kann es gehen, wenn der Form zuwenig Inhalt eingehaucht wird.

KILLER

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