THE GINGERBREAD MAN

Robert Altman wird nun doch alt. Das merkt man daran, dass der ausfuehrende Produzent Mark Burg ihn so loben muss: "THE GINGERBREAD MAN ist duester, provokant, witzig, sehr sexy und gewiss keine geschniegelte Grisham-Adaption. Weil sie von einem Filmemacher stammt, der Kino-Regeln nur als etwas betrachtet, was man am besten brechen sollte." Seltsam. Genau das dachte ich von einer anderen aktuellen Grisham-Verfilmung, THE RAINMAKER, aber die stammt von Francis Ford Coppola (was mich einwerfen laesst, dass ich noch immer nach einer Bezugsquelle fuer dessen ausgezeichneten Wein suche, den ich als besonderes Geschenk hergeben moechte). Die Regeln bricht Altman hier und da nur noch mit seinen leicht unscharfen Zooms, die irgendwann mal einen Kameramann in den Selbstmord treiben werden. Obwohl der Film in Savannah, Georgia, spielt, wo doch gerade Clint Eastwood ganz hervorragend Stimmung und Lebensgefuehl auf die Leinwand uebertrug, ist er ausgesprochen belanglos. Offenbar unterscheiden sich auch die Vorlagen Grishams kaum, wie mir mein eigener Anwalt versicherte. Und der haette sicher selbst was Interessantes zu erzaehlen, ueber Autoschieber und Drogenhaendler in dem sozialen Brennpunkt, in dem ich diese Zeilen schreibe - regentropfengekuehlt von Mc Donald's kommend. Bei meinem letzten Besuch zeigte er mir eine Wanze, die ein Mandant in seiner Wohnung gefunden hatte. "3M" stand da drauf. Und ich ueberlegte so bei mir: Diese Aktie solltest du kaufen.

Hmm, grummel, grummel es ist so ja okay, ich gebe zu, Kenneth Branagh spielt verdammt ueberzeugend. Wahrscheinlich das erste und letzte Mal ;-) Er ist natuerlich ein Anwalt. Auch die (Neben)figuren, wie Robert Downey Jr.s einem Film Noir enthuepfter Privatdetektiv, Robert Duvalls Exzentriker und Daryl Hannahs Kanzleiassistentin machen die angeblich nur grob von Grisham uebernomme Konstruktion duldbar. Dass das Originalskript nie in Buchform veroeffentlicht wurde, laesst bereits einige Schwaechen vermuten. Altman fehlt - im Gegensatz zu Coppolas Pendant THE RAINMAKER - bei allen Rueckgriffen aufs Genrekino die ironische Distanz, die er 1973 in der Chandler-Adaption THE LONG GOODBYE noch beherrschte. Bleibt zu hoffen, dass er den Film nur drehte, um Geld fuer ein ganz eigenes Projekt zu sammeln, nach selbstverfasstem Buch, womit er an den komplexen SHORT CUTS oder den verspielten PRET-A-PORTER anknuepfen koennte. Dass man Altman nach Testscreenings, in denen eine erste Version von GINGERBREAD MAN mangels Thrill beim Publikum durchfiel, ausgerechnet dafuer engagierte, das Projekt unter Spannung zu stellen - das musste zu viel fuer den alten Mann sein.

KILLER

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