BOOGIE NIGHTS

Wie Dirk Diggler (Mark Wahlberg) ein Pornostar wird, was Burt Reynolds damit zu tun hat und wie relaxt die Zeit war, in der sich das alles abspielte Gleich nach dem Film ging ich zum WOM und hielt nach dem Soundtrack Ausschau. Nichts. Ein schwuler Angestellter blickte in die Datenbank und bekam ein halbes Dutzend Titel BOOGIE NIGHTS angezeigt. "Das muss der Soundtrack sein", meinte er dann. "Ist das wirklich der einzige, der in Frage kommt?" hakte ich nach. "Da ist noch BOOGIE NIGHTS 2, vielleicht war der erste so erfolgreich, dass sie noch einen aufgelegt haben" ergaenzte er. Nun gut. Ich zahlte 10 Mark fuer die Bestellung an und warte bis heute auf den Rueckruf. Vielleicht hatte Werner recht (der schliesslich auch wusste, dass Jeff Buckley im Fluss ersoffen war), als er mir riet, doch einfach einen Sampler mit den groessten Hits der 70er zu kaufen. Jedenfalls, der Film ist eine einzige Drogen-Party, nur der beknackte Nena-Titel vermiest zwischendurch die Stimmung, und da ich weder Party- noch Drogenfreak bin, kann das nur heissen, dass er verdammt viel Flair und Atmosphaere hat, dass er stimmig ist von hinten bis vorn, dass er Laune macht, am fruehen Morgen schon, wenn die Pressevorfuehrungen gerne stattfinden. Dabei passiert bis zum Ende nicht allzuviel, wo sich dann auf einmal die Gewaltausbrueche ballen (ganz in Tarantino-Manier, meinte Werner, und da kaeme man wohl heutzutage nicht mehr rum). In diesen Minuten befiel mich das unangenehme Gefuehl, BOOGIE NIGHTS wuerde mich nun doch noch ueberzeugen wollen, dass man in der Pornobranche nicht gluecklich werden kann. Klar, dass denken wir eh alle, aber hoeren will ich das nicht, und glauben auch nicht. Na, ich verspreche Euch, dabei bleibt es nicht. Am Ende ist Dirk Digglers Schwanz moralischer als jeder Zeigefinger. Und kein Mann wird sein Ding mehr vor dem Spiegel so auspacken wie frueher.

Das erinnert mich daran, wie nah ich Mark Wahlberg alias Marky Mark mal war, als er vor den New Kids on The Block in der Frankfurter Festhalle auftrat. Ich haette ihn mir mal genauer anschauen sollen. Ein echtes Talent. In BOOGIE NIGHTS ist freilich jeder gut. Burt Reynolds gibt einem am meisten zu denken. War er je etwas anderes als Pornofilmer? Man wuenscht sich fast, er haette sich eher an jene Industrie verkauft als an Hollywood. Seine eigenen Drogenerfahrungen haben jedes Overacting verhindert.

Der 26jaehrige Paul Anderson verfilmte die Story nach eigenem Drehbuch. Gelassen, wie Reynolds bemerkt, den Schauspielern freien Lauf lassend. Unvorstellbar jedoch, dass sich der Porno als weithin akzeptierte Erwachsenenunterhaltung in den USA etablierte. Auf einer ganz anderen kulturellen Grundlage ist das in Japan gelungen, wo Pornostars, zumindest weibliche, solchen Kultstatus geniessen, dass sie sogar als Trendsetter fuer Mode und andere Vorlieben taugen. Ehre, wem Ehre gebuehrt ;-)

KILLER

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© Arthaus